Zweitstudium Medizin – Anfänge

Der Countdown läuft: nur noch zwei Tage bis zum Beginn der „Erstiwoche“, bis zur feierlichen Immatrikulationsfeier, zum Grillen mit der Fachschaft und bis zu dem Moment, in dem ich meine neuen, vermutlich sehr jungen, Kommilitonen zum ersten Mal treffe. Um ganz ehrlich zu sein – ich bin wirklich lächerlich nervös. Nervöser, als ich es bei den vergangenen beiden Immatrikulationen war. In meinem ersten Studium gab es aber auch keine Erstsemestereinführungswochen, kein Grillen, keine Feier. An geisteswissenschaftlichen Fakultäten erscheint man als Erstsemester einfach zur Semestereröffnung oder zum ersten Seminar am ersten Vorlesungstag, der Rest ergibt sich dann schon von allein. Nun also warten auf mich Campus-Führungen, Stadtralleys, Wanderungen mit Studenten aus höheren Semestern und Treffen mit meinen Tutoren und Seminargruppenleitern.

Medizin zu studieren, ist also anders, soweit habe ich bereits jetzt vor Semesterbeginn gelernt. Nicht nur, daß ich vor Studienbeginn meinen Impfstatus auffrischen mußte, nicht nur die Unterschriften unter der Belehrung zur ärztlichen Schweigepflicht, nicht nur die unzähligen Beglaubigungen, die ich im Bewerbungsprozess machen lassen mußte, nein, auch schon die Organisation, die Begrüßung, der Umgang mit den Erstsemesterstudenten vor Anfang unterscheidet sich von allem, was ich bislang an Universitäten kennengelernt habe. Kein ordentlicher Geisteswissenschaftler würde auch nur auf die Idee kommen, um 07:30 Uhr an einem Montag Morgen eine Vorlesung anzubieten. Noch nie hat sich mein Stundenplan von Woche zu Woche verändert. Und ganz sicher habe ich noch nie bereits vor Semesterbeginn stundenlang am Schreibtisch gesessen und gelernt, um mich vorzubereiten: Chemie, Physik, Biologie, Mathematik, das alles liegt bei mir 13 und mehr Jahre zurück. Und das bedeutet: ich habe wirklich keine Ahnung mehr davon. Also versuche ich, mir Begriffe wie Enthalpie und Formeln zur Berechnung von Halbwertszeiten zu merken.

Das alles bedeutet: ja, ich bin nervös, trotz bereits absolvierten sechs Jahren Studium und abgeschlossener Promotion. Aber zugleich freue ich mich unglaublich – ein Traum wird hier gerade wahr, an dessen Erfüllung ich schon lange nicht mehr geglaubt habe. Ein Traum, der so alt ist wie mein Abi. Und älter, eigentlich.

Aus Dr. Fuchs wird Frau Doktor Fuchs.